Von Familie zu Familie haben wir alle wohl unsere ganz eigenen Backtraditionen. Und diese unterscheiden sich auch von Bundesland zu Bundesland. Darum haben wir uns auf die Suche nach typischem Gebäck aus Norddeutschland gemacht. Was schmeckt den Menschen in Berlin, was in Bremen und was in Schleswig Holstein? Folgen Sie uns einfach, wir nehmen Sie mit auf ein kulinarisches Abenteuer zwischen Klaben und Förtchen!

Nicht nur zu Karneval: Berliner Pfannkuchen

Wenn es wieder „Helau!“ heißt, sind sie in den meisten Regionen Deutschlands besonders beliebt: die Berliner Pfannkuchen (auch als Berliner, Krapfen oder Kräppel bekannt). Dabei handelt es sich im Grunde um ein Siedegebäck, welches aus süßem Hefeteig gefertigt wird. Man verfeinert es danach mit einer Konfitüre-Füllung und bäckt es anschließend in heißem Fett aus. Häufig wird es zudem mit Puderzucker oder Zuckerguss überzogen. Wobei die pudrige Variante das Original aus der Hauptstadt ist.

Der Legende nach hat ein Berliner Zuckerbäcker die süßen Backwaren im 18. Jahrhundert erfunden. Er war selbst in der Armee tätig und wollte mit seinem Gebäck an die Kanonenkugeln erinnern, weswegen die Pfannkuchen noch heute ihre runde Form haben.

Übrigens werden die Berliner Pfannkuchen inzwischen in den unterschiedlichsten Variationen angeboten. Ähnlich den amerikanischen Donuts gibt es sie zum Beispiel mit bunten Zuckergüssen überzogen oder auch mit Sahne-, Vanille- und anderen Cremefüllungen. Gerade in der 5. Jahreszeit werden oft auch mit Senf gefüllte Exemplare verkauft.

Brandenburger Süßwaren aus der Uckermark

Ganz im Nordosten Brandenburgs liegt der Landkreis Uckermark, ein Gebiet, das für seine wundervolle Natur bekannt ist. Doch nicht nur das, hier hat auch eine ganz spezielle Backware ihren Ursprung: das Uckermärker Apfelbrot. Ganz typisch in einer Kastenform gebacken, wird es aus Mehl und Backpulver gefertigt und mit einer köstlichen Apfel-Rosinen-Nuss-Mischung verfeinert.

Auf einem Holzbrett liegen 3 Apfelbrote

Foto: © Federlos, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pixabay.com

Das Geheimnis? Die Fruchtmischung zieht mindestens einen ganzen Tag, bevor sie Teil des Teiges wird. So kann sie wirklich ihren vollen Geschmack entfalten. Genossen wird das Gebäck am besten frisch aus dem Ofen und mit zartschmelzender Butter bestrichen.

Der etwas andere Stollen: Bremer Klaben

In Bremen gibt es zur Weihnachtszeit eine ganz besondere Spezialität: den Bremer Klaben. Während er dem Stollen in den Zutaten sehr gleicht – er basiert auf einem Hefeteig, der mit Rosinen, Mandeln, Rum, Orangeat und Zitronat versetzt wird – handelt es sich hierbei um eine besonders „schwere“ Variante. Denn die Zusätze stehen dem Teig 1:1 gegenüber, das heißt also, dass auf 100 g Teig auch 100 g der Frucht-Nuss-Mischung kommen. Zudem wird der Klaben immer pur – das heißt ohne Puderzucker – serviert.

Seinen Namen hat der Bremer Klaben übrigens seiner Form zu verdanken. Denn “klaben” heißt so viel wie “gespalten”. Und das ist das Gebäck auch, denn es ist in der Länge durch einen tiefen Einschnitt gezeichnet. So wird die Backware nun schon seit über 400 Jahren in der Hansestadt hergestellt.

Das Kultgebäck aus Hamburg: Franzbrötchen

In Hamburg, der Heimatstadt des Franzbrötchens, kommt man an ihm nicht vorbei. Jede Bäckerei hat die kleinen Leckereien auf Lager und bietet sie sowohl in der klassisch zimtigen sowie in vielen modernen Geschmacksrichtungen an. Doch während es im Norden Deutschlands zu den bekanntesten Backwaren gehört, kennt man es im Rest des Landes nicht unbedingt.

Ein Brot aus Frankreich oder doch aus der Franz’schen Bäckerei?

Wie bei vielen anderen Gebäcken auf dieser Liste ist der Ursprung des Franzbrötchens bis heute nicht bekannt. Doch es gibt verschiedene Theorien. So besagt eine Legende, dass die süßen Brötchen während der französischen Besatzung Hamburgs entstanden. Denn damals fingen die Bäcker an nach französischer Art ihre Backwaren zu fertigen – darunter auch das Baguette. Ähnlich diesem formt man für Franzbrötchen auch erst eine lange Rolle. Ein Backmeister hätte also beschlossen, das Brot mit Zimt und Zucker aufzuwerten und erfand so die Leckerei.

Andere hingegen sehen den Ursprung in der Franz’schen Bäckerei, die oft mit der Erfindung des Franzbrötchens in Verbindung gebracht wird. Diese ließ sich vom naheliegenden Dänemark sowie dem restlichen skandinavischen Raum inspirieren. Denn hier waren die saftigen Zimtschnecken sehr beliebt – das Franzbrötchen ist also nur die deutsche Variante dieser.

Zwischen modern und klassisch: das Franzbrötchen

Ganz klassisch wird das Franzbrötchen in den Bäckereien Hamburgs aus einem Plunderteig gefertigt. Dieser gleicht im Wesentlichen einem Blätterteig. Das heißt: Ein Hefeteig wird als Basis genommen, dünn ausgerollt und in Schichten aufgestapelt, zwischen die Butter gestrichen wird.

Gefüllt wird das Brötchen traditionell mit Zimt und Zucker. Heutzutage haben viele Bäckereien aber auch neue Kreationen im Angebot. So gibt es die Franzbrötchen auch mit Rosinen, Äpfeln, Nüssen oder Schokolade in ihrem Inneren sowie verziert mit Streuseln. Sie alle werden aber auf ganz besondere Weise gefertigt.

Dazu wird zunächst der vorbereitete Plunderteig zu einer großen Fläche ausgerollt. Darauf wird die Füllung verteilt und anschließend wird das Ganze gerollt. Eine lange Stange ist entstanden, die nun in Scheiben geschnitten wird. Die Franzbrötchen selbst drückt man jetzt ein wenig platt, um eine stabile Form zu erreichen. Zum Schluss werden sie im Backofen ausgebacken.

Gesunde Beeren aus Mecklenburg-Vorpommern

An der Ostsee gelegen ist Mecklenburg-Vorpommern bekannt für seine Speisen und Getränke aus Sanddorn. Die orangene Beere pur essen nur die wenigsten, sie ist nämlich unglaublich sauer. Dabei ist sie eine wahre Vitaminbombe, so sehr, dass Forscher sogar ihre Wirksamkeit gegen einige Erbkrankheiten untersuchen.

Zu den Spezialitäten aus der Region gehört darum auch die Sanddorntorte. In unzähligen Cafés wird sie serviert und von Einheimischen und Touristen gleichermaßen gern verspeist. Oft wird dabei als Grundlage eine Art Käsekuchen genommen, welcher mit Sanddornsaft und -konfitüre verfeinert wird. Im Mund verbinden sich so süße, weich-sahnige Aromen mit der aufregenden Säure der Beeren. Ein echter Kick für die Geschmacksknospen!

Der Klassiker aus Niedersachsen: Mandel-Butterkuchen

In Niedersachsen ist er eine weit verbreitete Spezialität, die einfach jeder kennt, doch im restlichen Deutschland findet man ihn kaum: die Rede ist vom Mandel-Butterkuchen. Im Grunde könnte man ihn mit einem Bienenstich vergleichen, der allerdings auf seine saftige Puddingschicht verzichtet.

Umso wichtiger ist der Einsatz von viel Butter – wahrscheinlich nicht die gesündeste Zusammensetzung, dafür aber garantiert eine leckere! Auf einem himmlisch-buttrigen Hefeteig wird also eine Schicht gebutterter und gezuckerter Mandeln aufgetragen, damit der typische Geschmack aus Niedersachsen entsteht. Diese karamellisieren leicht beim Backen und bringen einen tollen Crunch ins Gebäck.

Volles Korn zum Abendbrot in Nordrhein-Westfalen

Wir alle kennen es, wohl jeder hat eine Meinung dazu und egal, ob Sie es hassen oder lieben – das Pumpernickel ist fester Bestandteil unserer deutschen Brotkultur. Doch wussten Sie, dass es ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, genauer Soest stammt?

Eine jahrhundertealte Tradition

Vor über 500 Jahren gründete sich in Soest ein Familienunternehmen: die Bäckerei Haverland. Sie war die erste, die das Traditionsbrot Pumpernickel herstellte und es bis heute tut. Während sich viele Legenden um die Namensherkunft ranken, ist der Ursprung des Pumpernickels ansich relativ bekannt.

Es entstand zur Zeit des 30-jährigen Krieges im 17. Jahrhundert. Damals nämlich hatte ein Bäcker in der Hektik eines Angriffes sein Brot im Ofen vergessen. Dieser erkaltete über die Nacht – schließlich feuerte niemand nach – und am nächste Morgen fand man das Brot vor. Aus dem Mangel an Nahrungsmitteln und Hunger beschloss die Familie das Stück dennoch zu essen und siehe da – es schmeckte. Das Pumpernickel war geboren.

Süß und herzhaft zugleich

Über die Jahre hinweg wurde das Rezept weiterentwickelt und so ist das Pumpernickel heute für seinen wahrlich einzigartigen Geschmack bekannt. Während dieser durchaus von einer leicht süßlichen Note geprägt wird, hat es gleichzeitig einen herben Beigeschmack. Das liegt an der Verfeinerung des Rezeptes.

Denn während man das Brot früher tatsächlich nur aus Roggen und Wasser buk, wird das Rezept heute noch mit Salz, Zuckerrübensirup und Malz aufgewertet. Die fertige Masse wird dann für einen ganzen Tag bei relativ niedrigen Temperaturen gebacken, damit auch wirklich das einzigartige westfälische Pumpernickel entsteht.

Frisch aus dem Feuer: der Baumkuchen aus Sachsen-Anhalt

Den Baumkuchen kennen sicherlich alle, doch wussten Sie eigentlich, dass dieser traditionell über dem offenen Feuer gebacken wird? Seine Ursprünge kann man von Ungarn aus über Italien nach Deutschland verfolgen, genauer gesagt von Heidelberg und Nürnberg bis nach Dresden und Salzwedel. Und genau dort, in Sachsen-Anhalt, entwickelte sich die Art und Weise der Herstellung, wie sie auch heute noch immer üblich ist.

Dazu wird eine Biskuitmasse Schicht für Schicht auf einen Holzstab bzw. eine Walze gegossen oder gesteckt. Diese wird dann über das Feuer gelegt und unter ständigem Drehen gebacken. Heutzutage gibt es zudem viele Bäckereien, die den Kuchen zwar immer noch auf einem solchen Stab anrichten, diesen jedoch in einem Gas- oder Elektro-Ofen backen lassen.

Die ursprünglichen Cake Pops aus Schleswig-Holstein

Haben Sie schon einmal vom Trend der Cake Pops gehört? Die kleinen, gebackenen Teigkugeln, die auf Spieße gesteckt werden? So ähnlich können Sie sich auch Förtchen vorstellen. Diese Leckerei kommt aus Schleswig-Holstein und wird in einer ganz besonderen Pfanne gebacken. Darin befinden sich nämlich halbkugelartige Vertiefungen, in die der Teig kommt. Ist eine Seite durchgebacken, wird das Gebäck gewendet, sodass eine kleine Kugel entsteht.

Der Hefeteig wird dabei in der Regel mit verschiedensten Konfitüren und Cremes befüllt. Ganz typisch sind Pflaumen- und Apfelmus. Jedoch können Sie auch Förtchen mit Rosinen, Mandeln oder auch Apfelstückchen kaufen. Diese gibt man vor dem Backen in den Teig. Abgerundet wird das Ganze dann zum Schluss noch mit ein wenig Puderzucker – so gleichen die Förtchen eigentlich auch Mini-Berlinern.

Wenn Sie gern noch mehr über regionale Gebäcke erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen übrigens unseren Beitrag über die Backwaren aus Süddeutschland! Darin stellen wir Ihnen diese und zahlreiche weitere Leckereien aus unserem schönen Land vor. Sie werden staunen, wie vielseitig das süße Deutschland sein kann.

Quellen
www.wikipedia.org/wiki/Berliner_Pfannkuchen
www.wikivoyage.org/wiki/Essen_und_Trinken_in_Brandenburg
www.outdoor-reiseberichte.info/Rund-um-Brandenburg
www.bremen-sehenswert.de/klaben.htm
www.ndr.de/…/Franzbroetchen-Hamburgs-Kultgebaeck,franzbroetchen106.html
www.fitbook.de/food/was-sanddorn-so-gesund-macht
www.mankannsessen.de/content/nieders%C3%A4chsischer-klassiker-mandel-butterkuchen#.Xh8RMlNKhQI
www.harzcard.info/…/harzer-baumkuchen-1677.html
www.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6rtchen